DAGMAR C. ROPERTZ

Dagmar C. Ropertz: "Restlicht" Malerei

08.11.15 bis 21.12.15 Museum Kahnweilerhaus, Rockenhausen
Vernissage am 08.11.15 um 11.00 Uhr
Einführung: Michaela Buchheister M.A., freie Journalistin und Chefredakteurin des Kunstmagazins ARTPROFIL

Dagmar C.Ropertz arbeitet nach ihrem Studium der Soziologie, der Rechts- und Filmwissenschaften an der Universität Mainz seit 2003 als freischaffende Künstlerin und bildete sich bei namhaften Künstlern im In- und Ausland weiter. Schon früh hat sie sich in Fortbildungen der altmeisterlichen Malerei gewidmet. Als Meisterschülerin und künstlerische Assistentin von Dietmar Gross, der ja in Rockenhausen kein Unbekannter ist und von dem die Stadt ein Bild angekauft hat, das im Roten Saal zu sehen ist, ist sie seit 2013 Mitglied im Vorstand des Kunstvereins Eisenturm Mainz e.V. und seit 2014 auch in dessen Kunstbeirat tätig. Ihre Werke werden international ausgestellt und angekauft.

Die Omnipräsenz des Subtilen beherrscht die Mainzer Künstlerin perfekt. Ihre Werke durchdringen die Realität und vermitteln auf einer sprachlosen Ebene etwas vollkommen Losgelöstes, etwas vollkommen Anderes, was dem Anschein des Bildes nicht entspricht. Dagmar C. Roperts gelingt ein künstlerischer Spagat zwischen wuchtig, sensitiver Farbgestaltung und wirkungsgetreuem Nachempfinden, das dennoch keiner wirklichen Vorlage entspringt. Assoziativ und in seiner Wirkung weit über das Sichtbare hinaus weisend, ist es nicht nur die formale Struktur, sondern die immense Leuchtkraft der Farben, welche ihre Bilder dem Betrachter äußerst nahe kommen lässt. So nahe, dass er bei erstmaliger Betrachtung gerne zunächst einmal einen Schritt zurücktritt.
Ihr gelingt es, verschiedene auch kontrastierende Perspektiven innerhalb eines Bildes zu einer einzigen Aussage zu vereinen. Ihre altmeisterliche Technik, das Wissen von der Temperamalerei über Acryl- und Ölmalerei sowie den perfekten Einsatz des entsprechenden Handwerkszeugs, ergänzt durch verschiedene Lasuren, welche die Künstlerin oft mehrfach übereinander malt, setzt eine genaue Kenntnis und den entsprechenden Blick für die Wirkung von Farben voraus. Ihre Werke sind auf eine faszinierende Art und Weise widersprüchlich, aber in der Hinsicht, dass sie Gegenständliches zu einem malerischen Panoptikum verschiedenster Formen und Strukturen verarbeitet.

Kunsthistorikerin Dr. Nicole Beyer schreibt über ihre Malerei im Katalog "Dagmar C. Ropertz - Malerei an der Grenze von Realismus und Abstraktion": "Die Künstlerin erreicht einen Wendepunkt in ihrem Schaffen, wenn sie in folgenden Bildern nach und nach in den diversen Ebenen sowohl deren Detailfülle als auch die Farbigkeit reduziert- bis sie schließlich das Bild hauptsächlich aus monochromen Flächen aufbaut, in die sie ihre fragmentarischen 'Realitätsrelikte' hineinversetzt. Die Farbwahl verweist dabei auf Visualisierung der emotionalen Ebene, Monochromie ersetzt in diesem Fall minimalistische aber aussagekräftig die sonstigen, detaillierten Umgebungsbestandteile. Von der Sinngebung her wird der Blick des Betrachters über diverse, physisch erkennbare und visuell erfahrbare Ebenen - farbliche Grenzen - geleitet. Ob Horizontlinie, fensterartiger Ausblick oder Farbfläche - der Minimalismus der Bilder lässt Ausblicke für die hineinversetzten Protagonisten ebenso wie für den Betrachter zu, der seine Komfortzone verlassen muss und aktiv der Erschließung seiner Welt- oder der des Bildes - zuarbeiten muss. Die Perspektive verweist dann auch auf die Vorstellung von Realität, in der wir uns alle befinden und die wir alle so 'scheinbar' nahe greifen können, ebenso wie die Bildaussage: Der Betrachter 'sieht' die Welt quasi aus den Augen der realistisch gemalten Person…"

Öffnungszeiten: Do. bis So. von 15.00 bis 17.00 Uhr und nach Vereinbarung

Quelle: Kunstportal Pfalz

 

 

Rheinpfalz 30.10.2015

 Rheinpfalz, 10.11.2015

 

 

Nachtmahl (n.P.Claesz). Acryl auf Leinwand. 20x20cm. 2015

 

 

Auftakt zur Veranstaltung: "Restlicht - Führung und Diskussion", Museum Kahnweilerhaus, 13.12.2015

"Restlicht...

Es geht dabei nicht allein um Licht und Atmosphäre in Natur und Umgebung am Beginn oder Ende eines Tages.

Restlicht umfasst ebenso Hoffnungen und Erinnerungen, luzide Momente, das In-Sich-Hinein-Horchen, das Resümieren, der kurze Moment vor einer Entscheidung, die die Spannung auflöst. Dabei spielt der Blick hinter die Fassaden eine Rolle, die Frage nach Identität und Wahrnehmung, nach menschlichen Begegnungen und das "Sich-Verorten" in urbanen und natürlichen Umgebungen.

Es sind die Augenblicke des Umbruchs, die mich interessieren. Keine großen Gesten sondern die Momente, in denen alles offen ist und man nicht mit Bestimmtheit sagen kann, wie es wohl weitergehen mag: Führt eine Begegnung zu einem Kennenlernen oder geht man aneinander vorbei (z.B. Restlicht, Augenblicke)? Schlägt man einen Weg ein oder wendet man sich wieder ab (menschenleere Landschaften wie z.B. Die Treppe, Lichtlinien, Nachtschatten)? Wird eine Erinnerung oder Beobachtung zu einer längeren gedanklichen Konstante oder verschwindet sie wieder nach kurzem Aufblitzen (z.B. Neue Heimat, Goethestraße) ? Findet man eine Lösung oder verharrt man (z.B. Familienbande, Abend)?  

Aber es geht auch um grundsätzliche Fragen nach Leben und Tod, nach Fragen zu Zukunft und Sein, nach der Suche nach einem metaphysischem Zusammenhang formuliert in symbolisch aufgeladenen Kompositionen, die der malerischen Tradition bis zum Beginn der Moderne folgend Ideen und Gedankenkonstrukte visualisieren (z.B. Der Zeitensammler, Vision Utopia, Stiller Frühling, Das Nachtmahl, Sommernacht, Zeitschleife). Dies sind stille Momente. Zeit und Materialität scheinen nebensächlich. Das verharren im Moment wird wesentlich (z.B. Flüstergras, Echolotung). Fragmente verschiedener Wirklichkeitsphasen - realistische und abstrakte - stoßen aufeinander und bilden einen neuen Resonanzraum, der sich für den Betrachter öffnet. 

Dieser Raum besteht nicht nur aus materiellen Strukturen. Er formt sich durch Menschen und ihre Hoffnungen, ihre Imaginationen, Assoziationen, ihr Alltagsleben und -erleben, Intentionen und Ambitionen, Erinnerungen und Erfahrungen. Und damit weicht die Sicherheit der Eindeutigkeit der Ambivalenz. Formal verweist die Fragmentierung, gemalte Collagierung und der Einsatz purer Farbflächen im Bild auf die inhaltliche Relativität, auf die Bedingtheit von Wahrnehmung. Eine vermeintlich eindeutige ästhetisch ansprechende Situation schlägt bei längerem Betrachten möglicherweise um in zeitweise Ungewissheit, vielleicht sogar Beunruhigung oder Melancholie und die Frage, ob das was wir sehen diesem auch entspricht. Die dem Leben innewohnende Dualität von Gut und Böse, Hell und Dunkel wird bestimmendes inhaltliches Element eines jeden Gemäldes. Die Subjektivität aller Wahrnehmung und Bewertung tritt an die Stelle vermeintlicher Objektivität. 

Und so umfassen die aus ihrer eigentlichen zeitlichen und örtlichen Situationen herausgelösten Wirklichkeiten in Form von Realismusfragmenten nicht allein die „Protagonisten“ selbst (Mensch, Baum, Haus etc.) sondern ebenso deren unmittelbare Umgebung als Teil ihrer Identität. Verschiedene temporäre und inhaltliche Ebenen treffen aufeinander. In ihren sogenannten Vakuolen eingebettet werden sie Teil einer neues Szenerie, eines neues Raum- und Zeitgefüges. Ob diese „Collage-Fragmente“ dabei ein- oder ausgeschlossen sind, spielt keine Rolle. Es ist eine Frage der Perspektive, die ich weder beantworten will noch kann, da sie stets relativ ist. 

Was ich aber machen kann und will ist die Reduktion auf das für meine Intention Wesentliche. Die Ausblendung nebensächlicher Aspekte der Umgebung eröffnet mir die Chance zu fokussieren und der subtilen Wirkung von purer Farbe Raum zu geben. Abstraktion in Form nahezu monochromer Farbflächen ersetzt weitaus vielsagender die von mir als inhaltlich nebensächlichen und nur als „plappernd“ bewerteten Umgebungsbestandteile. Obgleich Farbwirkungen kulturell und individuell bedingt sind, eröffnen sie jedoch dem Betrachter die Gelegenheit, Freiräume zu füllen, sich die dargestellte Szenerie als Ausschnitt einer Geschichte (?) zu eigen zu machen. Der eigenen Imagination, Assoziation und Erinnerung wird Platz gegeben. Die Gemäldetitel biete ich dem Betrachter als Kompass an, den ich ihm oder ihr an die Hand gebe. Denn bewusst vermeide ich jegliche Eineindeutigkeit. Vielmehr beschränke ich mich auf Bedeutungskorridore, konzentriere mich inhaltlich und formal auf den Augenblick und überlasse es dem Betrachter, sich dort einzufinden, die Szenerie zu durchwandern und diese neue Wirklichkeit für sich selbst ein zu nehmen - sie gedanklich weiter zu formen. Zeitlos und immer wieder aufs Neue je nach Stimmung, Erwartung. 

Zum Ende nun: Realismus gemalt in altmeisterlicher Technik, die ich viele Jahre lang erlernte, trifft mit scharfer Grenze auf Abstraktion in nahezu reinster Form. Der Bogen formal, technisch und inhaltlich zwischen Vergangenheit und Gegenwart fordert Sie als Betrachter heraus. Ich lade sie ein: Machen Sie sie sich die Bilder zu eigen! Vielen Dank!"